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Atmen gegen Endometriose

  • Autorenbild: Corrina Holzner
    Corrina Holzner
  • 3. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Endometriose sucks. Ich kenne den Schmerz, das Gefühl der Hilflosigkeit und die Ängste, die sie mit sich bringt. Was lange Zeit als Überempfindlichkeit und Regelschmerzen abgetan wurde, ist mittlerweile eine anerkannte Erkrankung, an der 10–15 % aller Frauen leiden. Und noch immer hört man denselben unbrauchbaren Satz: „Wir wissen nicht, warum Sie das haben. Wir wissen nur, dass es chronisch ist."


Dieser Artikel ist kein allgemeiner Ratgeber. Er ist ein Blick auf Endometriose aus der Perspektive von Breathwork — und meine ganz persönliche Geschichte damit.



Meine Endometriose-Geschichte


Meine Story spielt vor 20 Jahren. Kurz zusammengefasst: unfassbare Schmerzattacken in der Eisprungzeit, eine Bauchspiegelung mit Entfernung einer Eierstockzyste, die bereits mit meinem Blinddarm verwachsen war, extremer Blutverlust, der nur mit Titan-Klips gestoppt werden konnte.

Kommentar meines Gynäkologen danach: „Lassen Sie sich nicht zu lange Zeit mit dem Kinderkriegen, denn in 10 Jahren ist der Ofen aus."


Danke, für nichts.


Mir war damals klar, dass meine Endometriose mit meiner extremen Zukunftsangst zusammenhing. Also begann ich meinen eigenen Weg zu gehen. Um das Ganze auf den Punkt zu bringen: Ich bin seit der Operation Endometriose-frei — und habe 11 Jahre danach mein Kind bekommen.


In den 20 Jahren seither habe ich viel gelernt. Und heute weiß ich: Auch meine Atmung war maßgeblich daran beteiligt, dass es überhaupt so weit kommen konnte.


Warum deine Atmung bei Endometriose eine Rolle spielt


So individuell wie jede Frau ist auch ihre Endometriose. Aber es gibt ein Muster, das ich immer wieder sehe — auch bei mir selbst.


Wie so vielen jungen Frauen wurde mir früh kommuniziert, dass nur ein flacher Bauch ein schöner Bauch ist. Ich war sportlich, hatte mir angewöhnt, den Bauch in allen Lebenslagen einzuziehen. Was dabei passiert: Man atmet nur noch in die Brust. Kommt dann Stress dazu — und welche Endo-Frau kennt das nicht — ist das Schlamassel perfekt.


Diese Kombination führt dazu, dass dein Unterleib schlecht versorgt wird.


Wenn du gesund atmest, atmest du durch die Nase in den Bauch. Bei jedem Atemzug zieht sich dein Zwerchfell zusammen, deine Rippen fächern sich auseinander, dein Bauch füllt sich wie ein Ballon mit Luft. Falls du mal ein Baby beim Atmen beobachten kannst — so sieht perfekte Bauchatmung aus.


Diese Atmung sorgt dafür, dass deine inneren Organe mit jedem Einatmen massiert, bewegt und durchblutet werden. Beim Ausatmen werden sie entgiftet.


Wenn du aber Angst oder Stress hast und deinen Bauch einziehst — und wir Endo-Frauen sind Weltmeisterinnen im Einziehen des Endo-Blähbauches — steckst du deinen gesamten Unterleib in ein Korsett. Und das begünstigt die Ausbreitung von Endometriose-Herden.


Das Nervensystem: der unterschätzte Faktor


Was ich vor 20 Jahren noch nicht wusste, aber heute in meiner Arbeit täglich erlebe: Endometriose ist nicht nur ein hormonelles Thema. Sie ist auch ein Nervensystem-Thema.

Chronischer Schmerz versetzt das Nervensystem in einen dauerhaften Alarmzustand. Der Körper bleibt in der Stressreaktion — Sympathikus dominiert, Parasympathikus zieht sich zurück. Das bedeutet: schlechtere Durchblutung im Beckenbereich, erhöhte Schmerzwahrnehmung, eingeschränkte Regeneration.

Hier setzt Breathwork an — nicht als Heilmittel, sondern als Werkzeug zur Regulation.

Bestimmte Atemtechniken aktivieren gezielt den Parasympathikus, den „Rest and Digest"-Modus deines Nervensystems. Das reduziert die Stressreaktion, verbessert die Durchblutung im Unterleib und kann die Schmerzwahrnehmung langfristig verändern. Das ist keine Esoterik — das ist Atemphysiologie.

Wichtig: Nicht jede Atemtechnik eignet sich für Endometriose. Intensive, aktivierende Breathwork-Sessions können in akuten Schmerzphasen kontraproduktiv sein. Es braucht Feingefühl, Dosierung und das Wissen, wann Zurückhaltung wichtiger ist als Intensität.


Was du konkret tun kannst


Lass deinen Bauch frei!

Verabschiede dich von der Vorstellung des flachen Bauches. Ein entspannter Bauch hängt einfach raus — das ist physiologisch gesund, auch wenn Instagram das anders zeigt. Dein Zwerchfell braucht Platz, um deine Organe zu bewegen, und dieser Platz ist nun mal dein Bauch.

Beginne damit an Orten, wo du dich wohlfühlst: am Computer, im Auto, in der Dusche. Lass alles hängen — ohne Panik.


Trainiere deine Rippenmuskeln.

Wenn du jahrelang nur in die Brust geatmet hast, sind die kleinen Muskeln, die beim Auseinanderfächern der Rippen helfen, wahrscheinlich verkümmert. Du kannst sie trainieren: Leg täglich beim Atmen deine Hände auf die unteren Rippen, drück sie leicht zusammen und atme gegen die Hände an. Mit der Zeit werden deine Rippenmuskeln wieder beweglicher.


Achte auf deine Haltung.

Du kannst noch so entspannt atmen — wenn du deinen Rumpf dabei nicht aufrichtest, kann dein Atemapparat nicht effektiv arbeiten. Nicht steif wie ein Stock, sondern aufgerichtet wie ein Turm aus Bausteinen, bei dem alle Organe übereinander gestapelt in Balance sind.


Wähle deine Atemtechnik bewusst.

In akuten Schmerzphasen braucht dein Nervensystem Regulation, keine Aktivierung. Sanfte, verlangsamte Atemtechniken — langes Ausatmen, ruhiger Rhythmus — sind hier deinem Freund. Intensive verbundene Atemtechniken sind eher für stabile Phasen geeignet, und immer mit einer erfahrenen Begleitung.


Nur nicht aufgeben

Was sich in diesen Zeilen so einfach liest, kann im Alltag eine echte Herausforderung sein. Endometriose fordert dich, bringt dich an deine Grenzen und raubt dir manchmal die Energie. Es wird Tage geben, an denen du nicht mal ans Aufrichten denken willst — das ist vollkommen okay.


Sei sanft mit dir. Geh diesen Weg Schritt für Schritt.


Breathwork kann bei Endometriose extrem wertvoll sein — nicht als Wundermittel, sondern als tägliche Praxis, die deinem Nervensystem Sicherheit gibt, deine Organe besser versorgt und dir hilft, das Vertrauen in deinen Körper zurückzufinden.




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